Bleicherodes grüner Schatz - der Wald

Stadtwald und Tourismus

Der Stadtwald Bleicherode erfüllt neben seinen Aufgaben als Nutz- und Schutzwald auch wichtige Erholungsfunktionen. Es ist deshalb das Ziel von Stadt- und Forstverwaltung, die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung des Waldes in Einklang mit seinen touristischen Aufgaben zu bringen.
Neben der Pflege eines ausgedehnten Wanderwegenetzes wird Augenmerk auf die Unterhaltung der vorhandenen touristischen Ziele gesetzt.
Dazu wären besonders die Aussichtspunkte (Löwenburg mit Brockenblick, Windolfskopf, Vogelberg) zu nennen. Besonderer Beliebtheit bei den Bleicheröder Bürgern erfreut sich aufgrund der relativen Stadtnähe der Kuhbrunnen. Hier haben in den vergangenen Jahren im Rahmen eines Projektes zur Gewaltprävention zwei Klassen der Löwentorschule Bleicherode umfangreiche Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Vielen Spaziergängern wird dabei aufgefallen sein, daß die Wassermühle am Kuhbrunnen seit dem Osterspaziergang 2009 wieder in Betrieb ist. Der Nachbau der Mühle erfolgte durch Schüler und Eltern.

Ohne die Mitwirkung der Mitarbeiter des ortsansässigen Horizont e. V. wäre eine Pflege der Wege und Ausflugsziele in der vorhandenen Qualität und Quantität nicht möglich. Besonderer Dank gilt deshalb der Leitung des Horizont e. V. und den Mitarbeitern für die in den vergangenen Jahren geleistete gute Arbeit.
Auch andere Vereine, wie der Seniorenwanderverein oder die Bleicheröder Jagdhornbläser, tragen durch ihre ehrenamtliche und somit unbezahlbare Tätigkeit zur Erhaltung und Verbesserung der Erholungsfunktion des Stadtwaldes bei. Der Seniorenwanderverein engagiert sich zum Beispiel für die Pflege der Beschilderung der Wanderwege.

Für die Nutzung des Stadtwaldes zum Zwecke des Radfahrens stehen die ausgebauten festen Wege und Straßen zur Verfügung. Im Stadtwald ist ein umfangreiches Reitwegenetz ausgeschildert, das an überregionale Reitwege anschließt.

Gelegentlich auftretende Probleme mit der widerrechtlichen Nutzung des Stadtwaldes z. B. durch Kraftfahrzeuge und Müllablagerungen werden in enger Zusammenarbeit von Stadt- und Forstverwaltung sowie der Jägerschaft gelöst.
(B. Keil)

Botanischer Streifzug

Dieser botanische Streifzug durch die Berge, Wälder und Wiesen des Landschaftsschutzgebietes erhebt keinesfalls Anspruch auf eine absolute Vollständigkeit der hier wachsenden Pflanzen. Vielmehr soll damit auf die große Vielfalt der heimischen Flora hingewiesen werden, interessierte Leser informieren und Anregung für eine zu unternehmende Wanderung sein.

In den Heckenbereichen an den Hängen der Löwenburg findet man zwischen den Sträuchern von Hartriegel, Haselstrauch, Weißdorn und Wolligem Schneeball die Haselwurz inmitten flächiger Vorkommen von rot und weiß blühenden Lerchensporn. Neben dem blau blühenden Immergrün erscheinen im Frühjahr die leuchtend blauen Blütenbüsche des Leberblümchens, das jedoch auf Hochflächen vereinzelt auch einmal mit leuchtend roten wie auch mit weißen Blüten anzutreffen ist. Neben der Knoblauchsrauke findet man das Pfennigskraut, das Erdbeerfingerkraut, das Frühlingsfingerkraut ebenso wie die Blutwurz.

In den Waldrandzonen finden wir eine größere Anzahl von Orchideen in lichten Gebüschen aus Heckenrosen, Faulbaum und Gemeinen Schneeball, in der Gesellschaft von blau, weiß und rot blühenden Akeleien, die aber auch oft in der Buschregion des Hochwaldes auftreten. In den mit Schotter gefüllten Muren unterhalb der Abbruchkanten siedeln sich Blaugras im Verein mit dem Frühlingskreuzblümchen, dem Bitteren Kreuzblümchen, dem in Felsklüften vereinzelt anzutreffenden Mauerpfeffer sowie im feuchten Schattenbereich den Mondrautenfarn an. Häufig winden sich die linienartigen Klimmertriebe der Waldrebe durch die dichten Gebüsche der Hanglagen bis in die Gipfel der dortigen Baumbestände. Oft tritt auch in den feuchten Tallagen der Efeu an älteren Bäumen auf. Der Seidelbast blüht bereits im zeitigen Frühjahr und ist ebenso wie die Waldschlüsselblume nicht so häufig anzutreffen wie die Gemeine Schlüsselblume und die Frühlingsblatterbse. Weit verbreitet leuchten die Blütensterne des Weißen Buschwindröschens, jedoch wesentlich geringer ist das Gelbe Buschwindröschen in den Berg- und Tallagen des Landschaftschutzgebietes anzutreffen. Waldmeister, der Bärlauch und das Maiglöckchen treten in den Hochwaldbereichen der Buchenbestände großflächig auf. In diesem Biotop findet man auch Exemplare der Vielblütigen Weißwurz, der Wohlriechenden Weißwurz, der Quirlständigen Weißwurz, die Zweiblättrige Schattenblume und ebenso den Wolfseisenhut. Aus den verbreiteten Beständen von Perlgräsern ragen einzelne Exemplare der Teufelskralle heraus. An gleicher Stelle findet man das Christophskraut.

Der horstartig wachsende Waldziest mit seinen leuchtend roten Blütenständen erscheint neben der Frühlingsbraunwurz und der Knotigen Braunwurz auf den üppigen Waldwiesen. Weit verbreitet ist auf den Hochflächen auch das Bingelkraut und das kleine Springkraut. Dazwischen stehen das Waldlabkraut, Sanikel, das Behaarte Johanniskraut, der Waldstorchschnabel und das Ruprechtskraut. Häufig findet man auch die Zwiebelzahnwurz und auf Feuchtstellen den Hainsauerklee, ebenso die auffällige Mandelblättrige Wolfsmilch wie auch die Sonnenwendige Wolfsmilch. An den trockenen Hängen tritt die Zypressenwolfsmilch im Unterwuchs der Felsenbirne, der Roten Heckenkirsche, der Kornelkirsche, der Deutschen Mispel und des Ligusters auf. Erwähnenswert sind in jedem Falle die Vorkommen des Rundblättrigen Wintergrüns, des Nickenden Wintergrüns, des Birnenblättrigen Wintergrüns und des sehr seltenen Einblütigen Wintergrüns. Sehr lokal begrenzt treten das Gemeine Lungenkraut und als wärmeliebende Pflanze der Bunte Steinsame auf. Der Pyramiden-Günzel, der Bunte Hohlzahn, die Goldnessel, die Gefleckte Taubnessel wie auch der Wollige Hahnenfuß sind bemerkenswert oft im Wald zu finden. Selten ist die Große Waldanemone auf den Hängen anzutreffen, dagegen ist die Schwalbenwurz im gesamten Gebiet sehr verbreitet. An den warmen Südhängen erscheint mit seinen gelben Blüten und den violett gefärbten oberen Laubblättern der Hainwachtelweizen, der im Hochwald durch den Waldwachtelweizen ersetzt wird. An schattigen, feuchten Waldstellen, wo der Laubwald mit Fichtenbeständen durchsetzt ist, findet man den Fichtenspargel und die Schuppenwurz als sogenannte Schmarotzerpflanzen, zu denen auch die seltenere Sommerwurz gehört. Nicht allzu häufig ist das Waldruhrkraut, hingegen ist die Gemeine Goldrute überall anzutreffen. Sowohl im Hochwald als auch in den mit Sträuchern bestandenen Waldrändern findet man verschiedene Glockenblumenarten, die Ackerglockenblume, die Rundblättrige Glockenblume und auf Waldwiesen die Wiesenglockenblume.

An den Rändern schattiger Waldwege und feuchter Gründe trifft man die Einbeere, den Aronstab, den Bittersüßen Nachtschatten und die Tollkirsche, die alle zu den Giftpflanzen zählen. Im Uferbereich des talwärts strebenden Bleichbaches findet man ein reichliches Vorkommen der Sumpfdotterblume, das Sumpfvergißmeinnicht und das Sumpfherzblatt. Im gleichen Biotop findet man die Kohldistel, den Hasenlattich, die Bachnelkenwurz, die Echte Nelkenwurz und den Goldhahnenfuß.

Sowohl im Hochwald als auch an den freien, warmen Südhängen findet man verschiedene Simsenarten: die Behaarte Hainsimse, die Wald-Hainsimse und an gleichen Stellen treten auch die Waldsegge, die Schlanke Segge, die Bleiche Segge und die Zittergras Segge auf. Im Plateaubereich der Löwenburg und des Windolfskopfes hat sich ein fast ausgerottetes Vorkommen von Märzenbechern wieder etwas vergrößert. Seit vielen Jahren wird dieses Geschehen beobachtet und die Hoffnung besteht, daß die Märzenbecher wieder in unseren Wäldern heimisch werden. Als einzige großblumige Lilie ist die Türkenbundlilie in unseren Wäldern anzutreffen. In den meisten Fällen tragen sie karminrote Blüten mit braunen Punkten, sehr selten sind Exemplare in weißer Blütenfarbe. An den Südwesthängen, die sich bedingt durch eine intensive Sonneneinstrahlung im Tagesverlauf sehr stark erwärmen, erlebt man eine ganz besonders wärmeliebende Flora. Neben den bereits erwähnten Orchideen findet man die Bergflockenblume, die Walddistel, die Wollige Kratzdistel, die Golddistel und überaus selten die Silberdistel.
Im gleichen Biotop trifft man die Bergkornwicke, die Traubenwucherblume, den Wundklee, die Fieder-Zenke, das Laserkraut, das Silberblatt und das Sichel-Hasenohr. Als weitere wärmeliebende Pflanzen findet man den Kleinen Wiesenknopf, den Traubengamander, den Sperrigen Alant, das Kleine Habichtskraut und die Trauben-Skabiose. 
In den schattigen Nordhängen sind der Tüpfelfarn, der Eichenfarn, der Gemeine Wurmfarn und sehr selten in den nordwärts anstehenden Klippen der Muschelkalkfelsen der Rippenfarn anzutreffen. Verbreitet findet man verschiedene Kreuzkräuter, so unter anderem das Waldkreuzkraut, das Hainkreuzkraut und das Raukenblättrige Kreuzkraut. Wenn man im zeitigen Frühjahr durch den auf den Hochflächen anstehenden Hochwald wandert, kann man die Grüne Nieswurz beobachten, eine der wenigen Pflanzen wo auch die Blüte nur grün gefärbt ist.

In den Waldrandzonen, wo diese in angrenzende Wiesen übergehen, findet man auf der Südseite der Bleicheröder Berge die Süße Bärenschote, das Kriechende Habichtskraut, den Wiesensalbei, die Kuckucks-Lichtnelke, das Aufgeblasene Leimkraut, die Rote Lichtnelke, das Echte Seifenkraut, die Karthäuser-Nelke, den Dost, den Großen Klapperkopf, den Wiesenwachtelweizen, die auffallend hoch wachsende Königskerze, das Echte Labkraut und die Esparsette. Im gleichen Lebensraum entdeckt man wieder die Silberdistel und die Golddistel. Als Enziangewächse treten das Tausendgüldenkraut, der Deutsche Enzian und der Gefranste Enzian auf. In ihrer Gesellschaft entdeckt man den Augentrost, die Gemeine Braunelle, den gelb blühenden Gemeinen Hornklee, die Taubenscabiose, das Sigmarskraut und neben dem Niederliegenden Feldthymian den Frauenmantel. Im Wald- und Wiesenbiotop tauchen auch der Große Bocksbart, die nickende Distel, die Gemeine Kratzdistel, selten die Stengellose Kratzdistel, die Scabiosenflockenblume auf. Im Frühjahr öffnen sich die goldgelb leuchtenden Blüten des Gemeinen Gelbsterns und im Sommer blühen überall die Wiesenwucherblumen wie auch das Waldweidenröschen und das Bergweidenröschen. Auch an schönen Herbsttagen entdeckt der aufmerksame Wanderer eine bunte Pracht an weißen, roten oder schwarzen Beeren und anderen Früchten in den bunt gefärbten Wäldern der Bleicheröder Berge.

Die große Anzahl der hier erwähnten Pflanzen erscheint, so auf engem Raum geschildert, als überaus große Vielfalt. Man muß jedoch bedenken, daß hier die blühenden Pflanzen über den Zeitraum von Frühjahr, Sommer und Herbst Erwähnung gefunden haben. Wer als interessierter Wanderer durch unsere schöne, heimatliche Landschaft streift, wird sicher viele der erwähnten Pflanzen wieder erkennen und ganz bestimmt noch mehr entdecken. Ein Anliegen dieser Zeilen sollte es sein, daß sich Menschen für die Problematik des Landschaftsschutzgebietes „BLEICHERÖDER BERGE“ interessieren und Freude beim Wandern und Entdecken haben.
(G. Effmert)

Einheimische Orchideen

Sicherlich gibt es im Bereich unserer engeren Heimat viele Pflanzen, die eines intensiven Schutzes bedürfen, aber sicher sind es vor allem die Orchideen, da sie durch die veränderten Umweltbedingungen am meisten in ihrer Existenz gefährdet sind. Die Orchideen gehören zu den Kostbarkeiten unserer heimatlichen Natur und sind leider so selten geworden, daß auf eine detaillierte Beschreibung der noch existierenden Fundorte hier verzichtet wird, um die Vorkommen dieser unter strengem Schutz stehenden Pflanzen nicht nur für heute, sondern auch für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Bestimmend für die Lebensbedingungen und damit auch für die Verbreitung der heimischen Orchideen sind die Begleitflora, der Boden und die Licht- und Klimaverhältnisse. Damit hängt die geografische Herkunft der Pflanzen unmittelbar zusammen. Nach dem Ende der Eiszeit setzte eine Rückwanderung der Pflanzen aus dem Süden und Südosten unseres Kontinentes in unsere Breiten ein. Mit den zurückkehrenden Pflanzen kamen als neue Pflanzenelemente auch die Orchideen zu uns.

Aus wissenschaftlichen Erkenntnissen ergibt sich, daß als sogenannte pontische Pflanzen, als südosteuropäische Orchideen, das Purpurknabenkraut, das Helm-Knabenkraut und das Bleiche Knabenkraut sowie das Rote Waldvögelein, das Weiße Waldvögelein und das Schwertblättrige Waldvögelein in unseren Gebieten heimisch geworden sind. Dagegen haben sich als mediterrane Pflanzen die Fliegenragwurz, die Bienenragwurz, die Rotbraune Sumpfwurz, die Kleinblättrige Sumpfwurz und die Violette Sumpfwurz in den gerölligen Südhängen unserer Berge angesiedelt. Aus diesen Zusammenhängen ist erklärlich, daß die Orchideen sehr unterschiedliche Biotopansprüche haben und daß sie innerhalb bestimmter Pflanzengemeinschaften leben. So ist z. B. das Helmknabenkraut meistens in Gesellschaft von Greiskraut und Hahnenfußarten, sowie als besonders deutliches Zeichen der Aufrechten Trespe zu finden. Diese Pflanzen kennzeichnen Standorte mit Rasen auf kalkreichen, humosen und mittelgründigen Böden. Die Große Händelwurz ist sowohl auf schattig-feuchten Standorten aber auch in den Südhanglagen unserer Landschaft zu finden. An den Rändern der Laubwaldbereiche, wo lichte Gebüsche mit Halbtrockenrasen durchsetzt sind, findet man sehr selten einzelne Exemplare vom Purpurknabenkraut und im gleichen Biotop das Stattliche Knabenkraut, das allerdings auch auf lösähnlichen Lehmböden zu finden ist.

Auf der Wanderung durch die sogenannten Maiglöckchen-Buchenwälder auf den Hochflächen, wo auch Türkenbundlilie und der Wolfseisenhut zu finden sind, entdeckt man eine ganze Anzahl von Orchideen. Seltener findet man das Rote Waldvöglein, häufiger das Weiße Waldvöglein und das Schwertblättrige Waldvöglein. Überaus selten geworden ist die schönste unserer heimischen Orchideen, der Frauenschuh. Sie alle lieben warme Laubböden. Die Breitblättrige Sumpfwurz gehört zu den weniger häufigen Arten unserer heimischen Orchideen. Sie bevorzugt schattige Wälder und geschützte Buschregionen und erreicht nicht selten die stattliche Höhe von 70 – 90 cm.

Die sogenannten Moderorchideen, zu denen die Vogelnestorchis gehört, wächst im humusreichen Boden der Laub- und Mischwaldbestände. Alle Moderorchideen züchten im äußeren Gewebe ihrer Wurzel Pilzfäden. Diese vermögen aus dem Humus des Moderbodens Zucker und Eiweißstoffe zu bilden. In den nach innen folgenden Gewebeschichten werden die Pilze von den Orchideen verdaut. Infolge dieser einseitigen Ernährungsgemeinschaft (Symbiose) mit dem Pilz haben die Moderorchideen das Blattgrün verloren und damit auch die Fähigkeit, sich selbst organische Nahrung aufzubereiten. Das recht häufig vorkommende Große Zweiblatt bevorzugt das schattig-feuchte Laubwaldbiotop, ist aber auch sehr verbreitet in den feuchten Talgründen und in den Buschregionen des Waldrandes zu finden. Die Große Stendelwurz und auch die Kleine Stendelwurz findet man in den lichten Laubwaldbereichen und deren Randzonen auf humosen Kalkböden. Eine weitere seltene Orchideenart ist das Bleiche Knabenkraut. Es galt für den Bereich der Bleicheröder Berge lange Zeit als ausgestorben. Seit einigen Jahren ist nun wieder ein kleines Vorkommen bekannt, das sich einer relativ guten Vermehrung erfreut. Im sehr unzugänglichen Biotop finden sich Kreuzblümchen, Frühlingsfingerkraut, Schwalbenwurz, Heckenschlehen, Hartriegel und Felsenbirne ein. Eine der bekanntesten heimischen Orchideen ist die zu den Ophrysarten zählende Fliegenragwurz. Sie war in früheren Jahren mit zahlreichen Exemplaren noch an den sonnendurchwärmten, strauchbestandenen Hängen der Bleicheröder Berge vertreten. Leider ist auch diese Art in den letzten Jahren sehr zurückgegangen. Als besondere Rarität gilt die zur gleichen Art zählende Bienenragwurz. Das Biotop wird durch folgende Pflanzen charakterisiert: in der Krautflora fallen Hufeisenklee, Blutroter Storchschnabel, Ottermennig auf, besonders aber die wärmeliebenden Steppengräser und die Golddistel. In der Strauchflora findet man Schlehen, Hartriegel, Hundsrose und Weißdorn. Der Standort ist windgeschützt und sehr sonnig. In den feuchten Uferwiesen des Wippertales findet man ein sehr begrenztes Vorkommen des Breitblättrigen Knabenkrautes. Hier blüht es in der Gemeinschaft von Beinwell, Mägdesüß, Karde und verschiedenen Sauergräsern in einer Schilfzone mit stattlichen Exemplaren. Das Gefleckte Knabenkraut stellt hohe Ansprüche an die Säureverhältnisse des Bodens. Es wächst im lichten Buchenwald des Lorenzenwaldes an einer lokal sehr begrenzten Stelle.

Noch vor weniger als 3 Jahrzehnten waren im Bereich der Bleicheröder Berge noch einige Arten seltener Orchideen zu finden. Leider konnten trotz intensivster Nachforschungen und Suche an bisher bekannten Standorten bis ins Jahr 2008 keine Funde mehr bestätigt werden.

Aus heutiger Sicht muß man feststellen, daß die Zersiedlung von Waldrandzonen und die oft nicht sehr ökologische landwirtschaftliche Nutzung der waldnahen Bereiche einen zerstörerischen Einfluß auf die einst sehr berühmte Orchideenflora der Bleicheröder Berge genommen haben. Hier sollte mehr Aufmerksamkeit auf die Kontrolle der Gesetzlichkeiten des Naturschutzes in diesen Bereichen gelegt werden. Es bleibt nur die Hoffnung, daß künftige Generationen behutsamer mit unserer Natur umgehen und damit die Vielfalt unserer heimatlichen Flora und Fauna, die landwirtschaftliche Schönheit in den Bleicheröder Bergen besser zu erhalten wissen.
(G. Effmert)

Jagd und Wild

Die Geschichte der Jagd im Bleicheröder Stadtwald ist gleichsam ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung.

Mit dem Untergang des Dritten Reiches 1945 wurde das bis dahin geltende Jagdgesetz aufgehoben. Ab 1946 übten auf Befehl der sowjetischen Militäradministration sogenannte Jagdkommandos die Jagd aus. 1953 schließlich wurde das erste Jagdgesetz der DDR verabschiedet. Die Jagd war nicht mehr wie bis 1945 an den Besitz von Grund und Boden gebunden war. Die Bejagung erfolgte jetzt durch die Gesellschaft für Sport und Technik (GST).
Einen weiteren Einschnitt stellte das Jahr 1962 dar, in dem auf dem Gebiet der ehemaligen DDR Jagdgesellschaften gegründet wurden, die als einheitliche und juristisch selbständige Organisationen der Jäger die Jagd ausübten.
Im Stadtwald Bleicherode geschah dies durch die Jagdgesellschaft Bleicherode, Jagdgruppe Bleicherode. Die Leiter der Jagdgruppe waren Herr Corduan, Horst Koch, Leonhard Jeschkeit und Bruno Müller.

Nach der politischen Wende in Deutschland änderten sich erneut die jagdlichen Strukturen. Das Bundesjagdgesetz galt nun auch für die neuen Bundesländer und die Jagd war wieder untrennbar mit dem Eigentum an Grund und Boden verbunden.
Das Jagdrecht im Stadtwald wurde durch die Stadt Bleicherode als Eigentümerin des Waldes verpachtet. Nach kurzzeitiger Verpachtung an nicht Ortsansässige erfolgte die Verpachtung an einheimische Jäger. Diese Verfahrensweise hat sich bis heute bewährt.

Die Bleicheröder Jäger sind bemüht, Wildschäden im Stadtwald und auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen der Gemarkung Bleicherode zu verhindern. Außerdem kümmern sie sich um die Versorgung von Fall- und Unfallwild.
Großes Augenmerk richtet die Jägerschaft auf landeskulturelle Tätigkeiten wie z.B. die Anlage, Unterhaltung und Pflege von Ausflugszielen und die Teilnahme am kulturellen Leben der Stadt, insbesondere durch die seit 1972 bestehende Jagdhornbläsergruppe Bleicherode.
Jährlich erfolgen Aktionen zum Einsammeln und Beseitigen von Müll im Jagdbezirk.

Der Jagdbezirk Stadtwald ist Bestandteil der Hegegemeinschaft „Bleicheröder Berge“. Vorsitzender der Hegegemeinschaft war von ihrer Gründung bis zum Jahr 2010 der Weidgenosse Bruno Müller.
Ziel der Hegegemeinschaften ist es nach § 13 Abs. 2 Thüringer Jagdgesetz, Hegemaßnahmen in den einzelnen Jagdbezirken der Gemeinschaft abzustimmen, bei der Wildbestandsermittlung mitzuwirken, Abschußpläne aufeinander abzustimmen und auf die Erfüllung der Abschußpläne hinzuwirken.

Das Rehwild ist die Hauptwildart im Stadtwald und wird nach vorgegebenen Abschußplänen bewirtschaftet. Besondere Bedeutung hat die effektive Bejagung des Schwarzwildes, um Wildschäden auf den Feldern zu vermeiden. Eher seltenes jagdbares Wild sind Hase und Rebhuhn.
Verstärktes Augenmerk richtet die Jägerschaft auf die Bejagung von Fuchs, Marder und anderem Raubwild. In den letzten Jahren stellten sich auch in Bleicherode neue Raubwildarten wie Waschbär und Marderhund ein. Geschütztes Raubwild wie Luchs und Wildkatze sind gleichfalls im Stadtwald vorhanden.
Ziel der Bejagung ist eine nachhaltige Entwicklung des Waldes und die Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes.
(P. Meißner/B. Keil)

Sehr alt und giftig – Die Eibe

Die Eibe ist unser härtestes einheimisches Nadelholz, das vorzugsweise im Schatten größerer Bäume vorkommt. In Bleicherode wachsen Eiben unter dem schützenden Kronendach der Buchen. Mit Ausnahme des roten Samenmantels enthalten alle anderen Teile des Baumes das starke Gift Taxin.

Die Eibe gilt wegen ihres verwachsenen, teils verwundenen Aussehens und vor allem wegen ihres hohen Giftanteils schon seit dem Mittelalter als mystischer Baum. Allerlei Sagen ranken sich um die Eibe. Speziell durch die jahrhundertelange Nutzung als Rohstoff für die Bogenwaffenherstellung und bedingt durch das langsame und geringe Wachstum wurden die Eiben in ganz Europa stark dezimiert. 

Zur Geschichte der Eibe in den Bleicheröder Bergen ist bisher wenig bekannt. Ob die Eibe in Bleicherode besonders gefördert oder zurückgedrängt wurde, kann nicht gesagt werden. Durch ihr zum Teil sehr langsames Wachstum, erreicht sie auf den trockenen und felsigen Standorten im Bleicheröder Stadtwald sehr selten Wuchshöhen von mehr als zehn Metern. 

Wanderer, die zum Vogelberg oder zur Löwenburg unterwegs sind, finden entlang des Weges diese jahrhunderte alten Bäume.